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Sie sagt, in der Öffentlichkeit würde ich so gucken. So irgendwie direkt auf die Leute. Treudoof irgendwie. Nein, nicht treudoof; es sei schwer zu beschreiben. So wie ein Spatz, mit so einem Kopfrucken. Und obwohl ich ahnungslostuend nachhake, was sie meine, weiß ich doch sofort, was es ist, weil da die Ahnung ist, dass man es einmal willentlich angenommen hat. Viel später erst fällt mir ein, dass es die Arbeitswelt gewesen sein muss. Die sanfte Diktatur der bezahlten Arbeitszeit, in der man sich nur so halb richtig selbst gehört, impft einem ein: "Zeige, was du tust, bevor dich einer anschnauzt, weil du gar nichts tust." Es ist die Körpersprache der Braven, die jederzeit Zeugnis geben will, womit das körpertragende Ich sich gerade seinen Körper zu benutzen erdreistet. Deshalb treudoof, obgleich es die unauffälligste Masche darstellt, wo gibt.
Es ist eine Abwandlung des Tricks, die Blicke der anderen abgleiten zu lassen, indem man immerzu zu Boden schaut oder in der Gegend herum.
Statt seinen Blick zu verbergen, führt man jetzt sein echtes Treiben als übertriebenes Theater auf. Ich schaue hierhin; ich schaue dahin; wo müssen wir umsteigen; wann fährt die Bahn, ich gaffe meinen zufällig sich gegenüber Befindlichen die konventionell erlaubten zwei Sekunden an, so wie man sich eben kurz anzugaffen pflegt und signalisiere mein gutes Gewissen, meine Harmloskeit: "Ich werde dich nicht aus den Augenwinkeln mustern, oder in einer Fensterspiegelung beobachten. Ich mache das offen: Schau, schon hab ich dich vergessen! Nun vergiss du mich auch."

1 Kommentar 2.1.08 15:25, kommentieren

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Tucholsky

Frau und Mann sind niemals frei
Stets ist ein Gefühl dabei

1.1.08 07:12, kommentieren

Botho Strauß...

"DER MANN Nun, Sie kennen die Weißtalallee, diese breite Verkehrsader am Südausgang unserer Stadt. Dort stand sie, die Geliebte, auf der einen Straßenseite, ich auf der anderen. Sie hatte die Absicht, zu mir herüberzukommen, zwischen uns floss der Verkehr, der nicht abreißen wollte. Unterdessen hatte sie schon mit einem Schritt die Fahrbahn betreten, jenen Streifen, auf dem geparkt werden darf. So stand sie drüben und wartete auf eine Lücke im Verkehr, einstweilen in einer Illustrierten blätternd. Da begann ein Auto einzuparken; gerade dort, wo sie steht, möchte es hin. Ich erinnere mich genau, es war ein lindgrüner, wohl eigens von seinem Besitzer eingefärbter Citroen (denn es gibt ein Lindgrün nicht mehr im Straßenverkehr). Doch was heißt einparken? Er fuhr vor ihr einmal hin, einmal her, nur um sich zu zeigen. Der Kerl am Steuer wollte ihr, meiner Geliebten, auffallen, nichts weiter. Als sie aber nicht hinsieht, ihn und das seltene Lindgrün nicht beachtet, beginnt er nun wirklich mit dem Einparken, fährt dicht mit dem Hinterteil an sie heran, ruckt vor, setzt wieder zurück - und das bemisst er schlecht. Da er nämlich nach hinten stößt, fährt er der Frau, die er in Stimmung bringen will, an die Knie, sie stürzt sofort zu Boden. Sie wissen, wie lächerlich, wie entmutigend es aussieht, wenn auf offener Straße eine gutgekleidete Person, die man liebt, zu Boden fällt...
DER AUF DER STRAßE ANGESPROCHENE UND BEISEITE GENOMMENE Oh ja. Sehen Sie, etwas ganz Ähnliches habe ich selbst einmal erlebt. Es war jedoch am Wörthersee ...
DER MANN Sie liegt am Boden, meine ich, mehr erschrocken als verletzt. Der Kerl springt aus dem Citroen; als Flirt begann's, ein Unfall ist daraus geworden. Statt Lächeln, Augenzwinkern, Schmeicheleien nun Augenrollen und grobe Schimpfe, Er hebt meine Geliebte auf und sie schreien sich an - auch er schreit, der Unfall verwandelt die Begehrte in ein Stückchen Ärgernis. Und, sehen Sie, ich stehe auf der anderen Seite und drüben - am jenseitigen Ufer, möchte ich beinah sagen - hat ihr jemand etwas angetan, wenn auch nicht sie verletzt, so doch sie hingeschmissen in den Dreck. Sie fiel vor meinen Augen raus aus ihrer stillen und legeren Haltung, in der ich sie über den nicht abreißenden Verkehr hinweg, so erwartungsvoll betrachtet hatte. Sie lag grotesk am Rinnstein, eine zerschmetterte Statue aus Marmor oder Ton zweigt durch tausend Scherben noch mehr Appeal und Würdereste als so ein hingeschmissener geliebter Mensch in seiner völligen Entgeisterung und Körperblödigkeit. Ich will Ihnen gestehen, dass mich trotz oder in meiner höchsten Empörung für einen Augenblick die Kälte anpackte und ich auf meiner Straßenseite aufhörte Sie zu begehren. Zum ersten Mal empfand ich, wie es ist, sie nicht zu lieben.
DER AUF DER STRAßE ANGESPROCHENE UND BEISEITE GENOMMENE Ja ja! Genau, genau!
DER MANN Nun, der Kerl steigt jetzt zurück in seinen Citroen und fährt aufbrausend weiter. Meine Freundin...meine Frau sieht mich über den Verkehr hinüber an und schüttelt nur den Kopf. Jawohl: sie schüttelt lediglich den Kopf nach alldem! Und nicht einmal so, als sei sie fassungslos, nein, nur solch ein kurzes, kleines Schütteln, mit dem man gewöhnlich ein "Wie kann man nur"" zum Ausdruck bringt. Eine völlig unzulängliche Geste, in meinen Augen, nach diesem schweren Zwischenfall. Ihr ganzer Sturz in meinen Augen ist ihr unbewusst. Sie liest schon wieder in der allerdings vom Straßenrand beschädigten Illustrierten.
DER AUF DER STRAßE ANGESPROCHENE UND BEISEITE GENOMMENE Also was mich betrifft, so stand ich damals in ähnlichen Verhältnissen in Velden vor der Post...
DER MANN Oh bitte nein: erzählen Sie mir jetzt nicht dasselbe von Ihnen und auch nicht etwas annähernd Ähnliches, das sie einmal erleben mussten. Es hat mich ohnehin Mühe genug gekostet, ein erstes Mal darüber zu sprechen. Falls sie indessen an meiner Geschichte aber auch gar nichts unvergleichlich finden, schweigen Sie trotzdem in beherztem Mitgefühl. Ersparen Sie mir jede Parallele und stoßen Sie einen inzwischen einsam am Straßenufer ausblickenden Mann nicht hinunter in die Häufigkeit ebenso dastehender Männer. Andernfalls müsste ich Ihnen, den ich nicht kenne und mit dem ich nichts als Vorlieb genommen habe, mein vorsichtig eingeflüßtes Vertrauen mit aller Gewalt wieder entreißen. Schweigen Sie daher und verkneifen Sie sich die Parallele!"

28.12.07 15:06, kommentieren

"Cato verfluchte die Verräter und beging Selbstmord."

Unerwarteter Lacher in historischer Fachliteratur

6.3.06 16:19, kommentieren

"Mit dem narzisstischen Typus einher gehen meist ein perfektes Styling, eine weichliche Grundhaltung und das Bed?rfnis nach N?he, Reden und Kuscheln. Und ganz viel Verst?ndnis. Es ist so schwer, ein Sexobjekt zu sein. Das
metrosexuelle Weichei ist die Warenform des Mannes, dessen Preis unbezahlbar ist. Zumindest f?r jeden au?er f?r ihn. Und seine Hand. Verweigerung wird zur neuen Strategie."
spon

21.10.05 14:13, kommentieren

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Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
Versuchten K?sse, als ob nichts sei,
Und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schlie?lich. Und er stand dabei.

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9.10.05 23:26, kommentieren

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